Grundlagen zu Kaninchen

Grundsätzliches zu Kaninchen und deren Haltung

Habt ihr vor, selber Kaninchen zu halten, so müsst ihr  zuvor einiges an Vorbereitungen treffen. Wichtiger noch ist es jedoch sich vorher einen gewissen Grundstock an Wissen zur Kaninchenhaltung zuzulegen. Im Folgenden versuchen wir dazustellen, was wir als langjährige Kaninchenhalter für notwendiges Wissen halten.

Kaninchen oder Hase? Gibt es da einen Unterschied?

Beginnen wir mit etwas grundlegender Biologie: Immer wieder werden Kaninchen fälschlicherweise als Hase bezeichnet oder eben anders herum. Beispielsweise findet ihr im Handel unzählige Hasenställe, Hasenfutter, oder auch Hasentränken. Auch wenn dieses die falsche Terminologie ist, so sind die Produkte natürlich trotzdem für die Kaninchenhaltung verwendbar.

Vorfahr Wildkaninchen

Um die Kaninchen einordnen zu können, muss man zunächst wissen, dass alle heutigen Hauskaninchenrassen (Hermelinkaninchen, Deutscher Riese, Angorakaninchen etc.) auf das in Europa vorkemmende Wildkaninchen zurückgehen. Lediglich durch Zucht ist es gelungen die so verschieden aussehenden Rassen herauszubilden. Trotz der Zucht sind ihnen jedoch viele Merkmale ihrer wilden Vorfahren erhalten geblieben. So sind sowohl Wildkaninchen als auch Hauskaninchen äußerst soziale und gesellige Tiere.

Auf der anderen Seite steht der Hase- oder richtiger Feldhase. Feldhasen sind den Großteil des Jahres Einzelgänger und kommen bei uns nur Wild oder in großen Wildparks vor. Aufgrund ihrer Lebensweise können sie nicht als Heimtiere gehalten werden. Der Feldhase ist im Durchschnitt um einiges größer als die die meisten Rassekaninchen. Seine Ohren (Löffel) sind um einiges länger als die der Kaninchen und spätestens beim Hoppeln sind beide Arten gut zu unterscheiden. Sieht man beide Tierarten nebeneinander, so ist der Unterschied auch für Laien recht deutlich zu erkennen.

Systematik von Kaninchen und Feldhasen

 WildkaninchenFeldhasen
Klasse:SäugetiereSäugetiere
Ordnung:HasenartigeHasenartige
Familie:HasenHasen
Gattung:WildkaninchenEchte Hasen
Art:WildkaninchenFeldhasen

Kaninchen= Nagetiere?

Eindeutig NEIN!

Dass Kaninchen zur Familie der Nagetiere gehören ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Nagetiere sind beispielsweise Mäuse oder Bisamratten.

Wie alt werden Kaninchen

Ein sehr wichtiger Punkt ist das maximale Höchstalter von Kaninchen. In der Literatur gibt es hier deutlich widersprüchliche Antworten. Aus unserer eigenen Erfahrung können wir jedoch sagen, unser ältestes Kaninchen war ein Zwergkaninchen und ist bei uns mit 12 Jahren friedlich eingeschlafen. Das ist jedoch eher die Ausnahme.

Trotzdem sollte man sich bei der Anschaffung eines Lebewesens immer bewusst sein, dass man sich damit bis zum Lebensende bindet. Im Normalfall wird das zwischen 6 und 10 Jahre der Fall sein. Denken Sie immer daran, in dieser Beziehung trägt der Mensch die Verantwortung. Die Tiere sind ohne unsere Hilfe aufgeschmissen. Jedoch sind Kaninchen lange nicht so auf Bezugspersonen fixiert, wie beispielsweise Hunde. Sollten Sie also ihren Verpflichtungen dem Tier gegenüber nicht mehr nachkommen können, so suchen sie doch bitte ein neues Nettes Zuhause bei jemandem Anderen für es.

Welche Kaninchenrasse ist die Richtige?

Zwergkaninchen oder „normale“ Größe?

Bevor man ein Kaninchen kaufen kann, muss man natürlich wissen, was für Ansprüche man an seinen künftigen Mitbewohner stellt. Fragt man Hobby-Kaninchenbesitzer was sie denn für Kaninchen besitzen, so antworten viele mit Zwergkaninchen.

Zwergkaninchen

Zwergkaninchen stellen jedoch im eigentlichen Sinne Keine eigene Rasse da. Sie besitzen lediglich durch gezielte Verpaarung den sogenannten „Zwergfaktor“ in sich. Er lässt bei den Zwergkaninchen die typische, zierliche Körperform entstehen. Gängige Zwergkaninchenrassen sind beispielsweise der Farbenzwerg oder der Löwenkopfzwerge. Für den Einstieg in die Kaninchenhaltung eignen sich diese „Zwerge“ unserer Meinung nach am Besten. Durch ihre geringere Körpergröße ist auch ihr Platzbedarf geringer, als der größerer Rassen.

Was ihr vor dem Kauf eines Stalls für eure Zwerge beachten solltet, dass haben wir euch im Ratgeber Zwergkaninchenstall ausführlich beschrieben.

Mittlere Kaninchenrassen

Die andere Gruppe stellen die „normalgroßen“ Kaninchen da. Sie haben ein großes Spektrum an unterschiedlichsten Rassen. Wer den Wunsch hat mit seinen Kaninchen zukünftig auch zu züchten, der ist bei dieser Kategorie von Kaninchen richtig. Man sollte sich jedoch im Klaren sein, dass sie andere Ansprüche an die Haltung stellen, als die oben beschriebenen Zwergrassen.

Große Kaninchenrassen

Die wohl bekanntesten großen Kaninchenrassen sind der Deutsche Riese und die deutschen Riesenschecken.

Gefährdete Kaninchenassen

Solltet ihr die Zucht in Zukunft in Betracht ziehen wollen, so würde ich euch ans Herz legen, sich eine Kaninchenrasse auszusuchen, die aktuell zu den gefährdeten Haustierrassen zählt. Es  ist äußerst  wichtig für zukünftige Generationen eine möglichst große genetische Vielfalt zu hinterlassen. Eine Auflistung der vom aussterben bedrohten Nutztierrassen kann  bei den Rassebeschreibungen der der GEH eingesehen werden. Alle diese Kaninchen sind etwas ganz besonderes und ihr habt damit Kaninchen, die wirklich nicht jeder hat.

Mastkaninchen?

Nun zu einem Thema das die Welt in zwei Lager teilt. Natürlich sollte jedem Menschen mit etwas verstand klar sein, dass sich Zwergkaninchen mal so gar nicht zur Mast eigenen. Bei den „normalgroßen“ Rassen sieht das jedoch etwas anders aus. Wir finden, dass jeder für sich selber entscheiden muss, ob er seine über längere Zeit betreuten Tiere am Ende auch schlachtet bzw. schlachten lässt. Man muss sich halt im Klaren sein, wer Fleisch essen möchte, der muss damit leben, dass Tiere getötet werden. Und immerhin kann man so dafür sorgen, dass die Tiere bis zur Schlachtung ein wunderschönes Leben hatten und nicht aus irgendwelchen Massentierhaltungsanlagen kommen. Wichtig ist jedoch sich hier an die gesetzlichen Bestimmungen zu halten. So muss man zum töten eines Wirbeltieres in Deutschland die seine Sachkunde nachweisen können.

Kaninchenhaltung | So bitte nicht!

  1. Ausschließliche Käfighaltung
  2. Zu kleiner Kaninchenstall
  3. Einzelhaltung
  4. Unkastrierter Kaninchenbock (außer bei Züchtern)
  5. Kaninchen als Kuscheltier ansehen
  6. Keine Beschäftigungsmöglichkeit vorhanden
  7. Falsches Hochnehmen

Mögliche Unterkünfte für Kaninchen

Kaninchenkäfig

Ausschließlich im Kaninchenkäfig und ohne weite Auslaufmöglichkeit stellt keine Haltungsform da, die auch nur Ansatzweise als artgerecht bezeichnet werden könnte. Das Beste auf dem Bild ist noch die Tatsache, dass die Tiere nicht einzeln gehalten werden.

Wir denken aber, jedem von euch ist klar, dass den Kaninchen hier einfach viel zu wenig Möglichkeiten zum herumtoben geboten werde. Kaninchenkäfige sind ein Ort für die vorübergehende Unterbringung von Kaninchen, um beispielsweise das Gehege besser säubern zu können oder den Tieren bei der Innhenhaltung einen festen Rückzugspunkt zu bieten.

Kaninchenstall

Ähnlich wie beim Kaninchenkäfig verhält es sich mit dem Kaninchenstall. Immer wieder und leider viel, viel zu häufig müssen die Tiere 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche ihr Dasein in einem zu kleinen Kaninchenstall fristen. Wir fragen uns dabei immer, warum sich Menschen denn überhaupt für Kaninchen als Haustiere entscheiden, wenn sie keinerlei Interesse daran haben, den Tieren ein schönes Leben zu bieten. Mindestens ein Freilaufgehege für mehrmaligen Auslauf am Tag solltet ihr euren Lieblingen zur Verfügung stellen. Dafür haben wir euch einige Tipps zum Kaninchenstall zusammengestellt. einerseits allgemeines zum Kaninchenstall an sich, anderseits speziell zum Punkt Kaninchenstall kaufen.

Einzelhaltung

Für ein Rudeltier, wie Kaninchen es sind, ist die Einzelhaltung wohl das so ziemlich größte Unglück, dass den Tieren angetan werden kann. Auch wenn ihr euch sehr, sehr viel um euer Kaninchen kümmert, ihr könnt niemals einen Artgenossen ersetzen. Gleiches gilt für für Meerschweinchen, Schildkröten, Hunde usw. Also, mindestens ein Artgenosse ist bei der Haltung absolute Pflicht. Dieses Video zeigt noch einmal deutlich warum.

Kaninchen falsch tragen

Leider haben Kaninchenbesitzer kein Verständnis dafür, dass ihre Kaninchen weder Kuscheltiere aus Kunststoff, noch irgendein anderes Spielzeug sind. Es sind fühlende Lebewesen mit Gefühlen und den Instinkten ihrer wilden Vorfahren. In der freien Wildbahn stellen Kaninchen das klassische Beutetier da. Somit könnt ihr euch vorstellen, dass sie es eher ungerne haben, einfach von oben gepackt und angehoben zu werden. Nehmt eure Kaninchen so wenig wie möglich auf den Arm. Lasst sie lieber rumhoppeln und erfreut euch an ihnen.

Kaninchen Ernährung

Da Kaninchen einen recht empfindlichen Magen und eine recht komplizierte Verdauung haben, Solltet ihr euch mit diesem Thema wirklich gut und ausgiebig auseinandersetzen. Eine falsche Ernährung bei Kaninchen kann sich unter Umständen erst nach Jahren bemerkbar machen. Häufig ist es dann aber bereits zu spät. Für uns ist es ein so wichtiges Thema, dass wir extra den kompletten Ratgeber Kaninchenfutter erstellt haben .

Kaninchenkrankheiten

Vorne weg muss hier gesagt werden, dass wir zum Glück auf dem Gebiet der Kaninchenkrankheiten beide keine Spezialisten sind. Weder haben wir Tiermedizin studiert, noch einen Tierarzt in unserem engeren Freundeskreis. Warum zum Glück? Nun bisher sind unsere Tiere abgesehen von kleineren Verletzungen von schlimmeren Krankheiten glücklicherweise verschont geblieben.

Die folgenden Ausführungen sollen und können euch daher nur einen groben Überblick über mögliche Krankheiten bei Kaninchen  geben.

Eines wissen wir aber zu 100% auch ohne Fachausbildung:

Fällt euch bei einem eurer Tiere etwas ungewöhnliches auf, dann ab mit dem Tier zum Tierarzt. Nur er weiß wirklich was zu tun ist und steht euch mit Rat und Tat zur Seite. Hier gilt sicher das Motto: Lieber einmal zu häufig, als einmal zu wenig.

Auch wenn unsere Hauskaninchen teilweise rein äußerlich nur noch sehr wenig mit ihren wild lebenden Verwandten zu tun hat, so besitzen sie dennoch die selben Grundinstinkte. Im Innersten sind sie noch immer Wildtiere, die auf dem Speiseplan vieler Raubtiere stehen.

Diese Raubtiere versuchen bei der Jagd stets den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Anstatt sich mit junger, schneller Beute zu messen suchen sie sich die Alten, Kranken oder Schwachen aus.

Somit versuchen Tiere stets sich eine mögliche Krankheit nicht anmerken zu lassen.

Genau das macht es uns als Tierbesitzer ziemlich schwierig, frühzeitig auf Probleme aufmerksam zu werden. Wenn man den Tieren also eine Krankheit ansieht, dann ist die oft schon im fortgeschrittenen Stadium.

Das macht es dann notwendig, bei den ersten Anzeichen den Weg zum Tierarzt einzuschlagen. Denn so eher dieser eine Krankheit behandeln kann, desto besser sind die Heilungschancen. Da unterscheiden sich Tiere recht wenig vom Menschen.

Was sind typische Symptome von Kaninchenkrankheiten?

Äußere Verletzungen

Die wohl offensichtlichsten Symptome sind äußere Verletzungen. Dieses können beispielsweise offene,blutende Wunden sein. Es kommt vor, dass Kaninchen, auch wenn sie sich eigentlich gut vertragen, sich gelegentlich gegenseitig beißen. Entdeckt man Blut im Stroh, so sollte man nachschauen, ob das Blut von einer Wunde stammt oder vielleicht mit Stuhl oder Urin ausgeschieden wurde.

Verweigerung der Nahrungsaufnahme

Bereits nach kurzer Zeit hat man ein gutes Gefühl dafür, wie sich seine Tiere bei der Fütterung verhalten. Eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme deuten entweder auf ein Problem im Mund ( Zähne, Abszess) hin oder auf Probleme mit dem Verdauungstragt. Besonders auf abrupte Nahrungsumstellungen  reagieren Kaninchen sehr empfindlich. Häufiger deutet aber Durchfall auf ein Problem mit der Nahrung hin.

Fehlender Bewegungsdrang

Unter normalen Umständen haben Kaninchen einen enormen Bewegungsdrang. Liegt ein Kaninchen in der Ecke, so muss man aber unterscheiden, ob das Tier sich einfach nur ausruht oder ob es apathisch vor sich hin vegetiert.

Wie könnt ihr Kaninchenkrankheiten vorbeugen?

Wichtig zu Vorbeugung von Kaninchenkrankheiten ist eine gute Stall- und Futterhygiene. Kaninchen dürfen keinerlei verdorbenes Futter bekommen. Außerdem ist vor allem im Sommer ein regelmäßiges Ausmisten sehr wichtig. Wenn zu lange gewartet wird, dann bilden sich in den feuchten Kotecken schnell Fliegenmaden. Wenn ein Kaninchen dann eine kleine Wunde hat , dann kann das ganz böse enden.

Sollte euch bei euren Tieren etwas auffallen, so solltet ihr das betroffene Tier vorübergehend unter Quarantäne  stellen. Nur so kann eine Ansteckung der gesunden Tiere verhindert werden.